Zum Moderatoren ernannt worden

Moderationstraining
Warum gibt es so viele unfreiwillige Moderatoren?

Zu mir kommen in der Regel Mitarbeiter aus Unternehmen, die von Ihren Chefs als Moderatoren ernannt werden. Über die Folgen machen sich die Führungskräfte wenig Gedanken. Denn für den ernannten Moderator gibt es meist kein Entrinnen. Lehnt er dankend ab, nimmt der Chef dies als Ablehnung wahr. Zudem wird sein schlechtes Gespür dafür hinterfragt, den richtigen Kollegen für eine Moderation ausgewählt zu haben. Kurz gesagt: Es kann die zukünftige Anerkennung schmälern und sogar die Karrierechancen behindern. Sie kennen bestimmt solche Sätze wie: „Du schaffst das schon. Du kannst das, du bist charmant usw.“ Sie nehmen also dankend an. Ziehen durch und blamieren sich wohlmöglich vor versammelter Mannschaft inklusive den zuvor schlaflosen Nächten, die eine Moderation natürlich erheblich erschweren.

Die Moderation versetzt uns nicht in Aufregung. Es sind die Kollegen, die uns plötzlich Angst machen.

Das System hindert uns häufig daran, dass wir uns vor unseren Kollegen wohlfühlen und uns frei entfalten können. Da sitzen viele Kollegen, Führungskräfte und Chefs im Publikum. Zudem sitzen dort in unseren Augen: Neider, Konkurrenten, Nörgler und wohlmöglich noch Bremser. Kurz gesagt: Es wird in unserem Innern fortschreitend unmöglicher auf die Bühne zu treten. Hinzu gesellen sich noch unsere größten Widersacher: Das eigene innere Team mit klaren Botschaften: „Wer bist du eigentlich? Da einfach vor den Leuten aufzutreten und Ansagen zu machen? Du kannst dich nur blamieren. Die Realität stimmt zu 100% nicht mit unseren inneren Stimmen überein, das sei an dieser Stelle angemerkt.

Wer jetzt denkt: „Das ist ja wohl noch zu schaffen, der hat noch eines vergessen.“

Eine Führungskraft ernennt uns nur zu einem Moderator, weil diese weiß, dass wir den Job bestmöglich ausführen werden. Klar, dass man zum Hörer greift und jemanden um Hilfe bittet, denn meistens hat man nur noch wenige Wochen und obendrein einen vollen Schreibtisch, sprich die alltägliche Arbeit. Da benötigt man inhaltliche Unterstützung und natürlich auch Moderationstraining. Doch externes Coaching und Training kosten Budget, dass meist kurz vor Veranstaltungen sowieso strapaziert ist. Der ernannte Moderator muss sich nun auch noch vor dem eigenen Chef und dem Einkauf rechtfertigen, damit er professionelle Unterstützung erhält. Die im Übrigen meist genauso viel kostet, wie die Beauftragung eines professionellen Moderators. Der interne Moderator sollte nie aus finanziellen gewählt werden. Das fasst zu kurz.

Im ersten Telefonat mit meinen Klienten überwiegen die organisatorischen Themen.

Das Erstgespräch mit einem Klienten gilt eigentlich der Auftragsklärung. Nicht so, wenn man zum Moderator ernannt wurde. Vornehmlich geht es um organisatorische Themen: Wann und wie oft wir uns treffen müssen? Wie die Abrechnung erfolgt, da die Maßnahme nicht als Coaching auftauchen soll. Wer jetzt stutzt, dem sei folgende Geschichte erzählt: Ich hatte häufiger Klienten, die offen mit dem Coaching umgegangen sind, ganz transparent und compliance-konform. Diese mussten sich meistens Sprüche anhören, wie: „Ach du hast einen eigenen Coach? – Wer hat das Budget dafür abgezeichnet? – Kannst du sowas nicht allein umsetzen?“ Diese Konfrontation gehen viele aus dem Weg. Insofern geht es erstmal um die größtmögliche Diskretion. Sie sehen wie komplex so ein Konstrukt werden kann. In dieser Atmosphäre ist ein Moderationstraining und Coaching erheblich erschwert. Das erste Coaching dreht sich dann eher um diese Widerstände und wie ich festen Boden unter die Füße bekomme. Wertvolle Zeit für das eigentliche Bühnentraining rinnt dahin.

Die Veranstaltung rückt bedrohlich näher. Der Arbeitsdruck erhöht sich.

Am Rande erwähnt, hat mich das als Trainer und Coach richtig überrascht. Ich möchte jemanden unterstützen, sich richtig gut auf der Bühne zu präsentieren und lande mitten im Dickicht von unternehmensinternen Problemen. Glauben Sie mir, es fällt mir schon schwer als Außenstehender diese Missstände auszuhalten, wie geht es erst jemanden, der in einem solchen Unternehmen auch noch gute Arbeit leisten möchte. Es grenzt an ein Wunder, dass viele Unternehmen unter dieser emotionalen Last noch gut funktionieren. Funktionieren trifft es hier auf den Punkt.

Bevor wir herausfinden, wie wir dieser Falle entgehen können, noch ein wichtiger Hinweis

Im eigenen System zu moderieren ist wohlmöglich die schwierigste Aufgabe. Das Lampenfieber der Profis steigt, wenn diese vor Kollegen auftreten müssen. Das trifft auch auf uns bekannte Moderatoren-Lieblinge aus dem TV zu. Profis verfügen über jahrelange Erfahrung und Mechanismen, um mit diesen Widrigkeiten umzugehen.

Wie kann ich reagieren, wenn der Chef mich zum Moderator ernennt?

Ihr Chef ernennt Sie zum Moderator. Bitten Sie ihm darüber nachzudenken, antworten Sie nicht voreilig.  Die Karriereleiter fest im Blick, fühlen wir uns schnell geschmeichelt und sagen schnell zu. Deshalb fragen Sie konkret nach: Warum er Ihnen diese Aufgabe zutraut? Was er von einem konkret erwartet? Warum eine intern besetzte Moderation sinnvoll ist.

Sprechen Sie mit Ihren Kollegen, Ihrer Familie sowie Freunden über diese Aufgabe. Zudem überlegen Sie genau, was Ihr Auftritt bzw. Ihre Ernennung für realistische Auswirkungen hat. Ist die Thematik der Veranstaltung so sachlich, dass Sie keine Position einnehmen müssen, die Ihre Integrität gefährden könnte. Sprechen Sie anschließend mit Ihrem Chef vorrangig über diese inhaltlichen Themen und kommen Sie eher zum Schluss des Gesprächs zu persönlichen Themen. Fragen Sie konkret nach einem Moderationstraining. Kurz für Sie: Im Training geht es im Schwerpunkt, um den Inhalt der Veranstaltung, um den Moderationsleitfaden, die richtige Ansprache des Publikums sowie die technischen Umstände. Im Coaching geht es um Ihren persönlichen Auftritt, den Umgang mit den eigenen Gefühlen, wie Angst und Scham. Und natürlich auch, um die eigene Wahrnehmung sowie den gezielten Einsatz Ihrer Talente.

Sollten Sie die Moderation übernehmen, machen Sie Ihrem Chef deutlich, dass Sie organisatorische Unterstützung benötigen. Die Inhalte müssen früh genug bei Ihnen vorliegen und nicht um kurz vor Zwölf. Vereinbaren Sie frühzeitig Termine mit den Bühnen-Gästen, Interviewpartnern und Rednern. Führen Sie in einem Vorgespräch alle inhaltlich zusammen. Treffen Sie konkrete Absprachen. Denn die Moderation der Veranstaltung beginnt für Sie nach der Auftragsannahme. Sie werden sehen, wieviel Spaß es Ihnen bereiten kann, wenn Sie strukturiert und gut vorbereitet die Bühne betreten. Ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg!

Ihre Checkliste, wenn Sie gebeten werden, eine Moderation zu übernehmen:
  • Eine Nacht drüber schlafen und sich mit Kollegen und Freunden beraten
  • Abwägen, ob es in der Thematik zu Interessenskonflikten kommen kann
  • Bei Zusage, Unterstützung in Form von Moderationstraining und Organisation einholen
  • Termine mit allen Bühnengästen vereinbaren
  • Feste Abgabetermine für Inhalte vereinbaren

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