Was steckt hinter Open Space beta?

Moderator, Kommunikationscoach Henning Harfst fragt: Was sit open space beta?

Wie entstand #openspacebeta?

Ihr habt von #openspacebeta gehört und wisst nicht genau, worum es sich bei diesem Thema dreht? Dann seid ihr jetzt hier richtig. In diesem Beitrag erfahrt ihr, wie #openspacebeta entstanden ist.

Beta, in Kurzform so genannt, ist gut gemachte Organisationsentwicklung, die mithilfe des eigenen Know-hows der Organisation oder des Unternehmens ohne externe Berater umgesetzt werden kann. Das setzt voraus, dass jeder in unserem Unternehmen etwas zum Unternehmen beitragen kann. Und wenn du jetzt drüber nachdenkst, fallen die bestimmt einige Kollegen ein, die geniale Ideen haben, eure Firma weiterzubringen. Du siehst, die Lösung ist nur einen Schreibtisch oder eine Werkbank entfernt. Du musst das Thema nur noch ansprechen, sozusagen ins Rollen bringen.

Der Irrtum: Wenn wir den Menschen verändern, bekommen wir die Organisation verändert.

Im Klartext: In der Vergangenheit gab es eine Change-Kultur, die sich auf den Menschen fokussiert hat. Nach dem Motto: Wenn wir den Menschen verändern, bekommen wir die Organisation verändert. Eine Fehlannahme. Fast nie wurde die Organisation so verändert, dass der Mensch sich darin weiterentwickeln kann und nicht zur austauschbaren und unvernetzten Nummer wird. Beispiel: Jeder kümmert sich um seine eigene Arbeit und arbeitet vor sich hin, arbeitet für den Chef und nicht für den Kunden. Das kennen wir, wenn jemand sagt: „Das ist nicht mein Zuständigkeitsbereich.“ – „Keine Ahnung wieso wir das jetzt hier machen sollen, die da oben wollen das so.“ Die Krönung nach einigen Jahren in dieser Organisation ist dann der Satz: „Können wir eh nichts dran machen. Will der Chef so.“

In großen Firmen wurden durch Change-Prozesse schlimmstenfalls Manager aus der Verantwortung entlassen und Mitarbeiter entmündigt. Es wurde an den Symptomen geschraubt, ohne einen Blick auf die Ursachen zu werfen.

Es klingt hart: Ehrlich gesagt, wurde bis jetzt alles falsch gemacht. Und jetzt aufgepasst, das ist kein Berater- oder Unternehmer-Bashing, nein. Das wäre zu einfach.

Berater und Unternehmer sind nicht unwissend. Die meisten setzen sich nach bestem Wissen und Gewissen für die Sache ein, auch wenn der eine oder andere sicher Bauchschmerzen dabei hatte und dachte, hm*, ob das so richtig ist.

 

Der Kern ist: Wir stecken inmitten einer Krise

Denn bei allem, was wir in Unternehmen neu implementieren, gehen wir gedanklich immer noch von der klassischen Managementlehre aus. Und die ist bewiesenermaßen nicht mehr auf unser heutiges Wirtschaftssystem erfolgreich anwendbar. Ganz kurz dazu: Wie kann eine Managementlehre aus Zeiten des Taylorismus, wie sie heute noch häufig an Unis geleert wird, in unser heutigen progressiven und disruptiven Welt funktionieren?

Wie entstand nun #openspacebeta?

Doch von vorne. Hier geht es ja um die Entstehung von #openspacebeta. Der Namensgeber von #openspacebeta ist der Beta-Kodex, der in der Open-Source Bewegung Betacodex-Network entwickelt wurde. Diese Bewegung wurde von Niels Pfläging und einigen seiner Kollegen 2008 gegründet. Die wiederum entstand aus der Forschungsarbeit des beyond budgeting roundtable in England. Ende der 90er wurden in diesem Rahmen Fallstudien für ein Modell für prinzipien-geleitete, dezentralisierte Organisation “jenseits von Management” entwickelt. Warum erwähne ich das so detailliert? Beyond Budgeting ist bis heute der wichtigste Schritt zur Entwicklung von #openspacebeta.

Erst durch den praktischen Einsatz dieser prinzipiengeleiteten dezentralisierten Organisationsform, wie z.B. in den Unternehmen Handelsbanken – einer der größten Banken Nordeuropas, Toyota oder W.L.Gore (GoreTex) wurde diese Methode weiterentwickelt. Es wurden 12 Prinzipien für selbstorganisierte Unternehmen abgeleitet. Die wiederum das Fundament für #openspacebeta bilden.

 

Dieses Resultat öffnete die Türen Organisationen mit allen Mitarbeitern des Unternehmens zu gestalten. Das galt bis dato als unmöglich.

Es wurde immer top down entschieden. Ein kleiner Kreis entschied darüber, was später alle im Unternehmen umsetzen sollte, ob es Nonsens oder Bullshit war, egal, es muss umgesetzt werden, basta.

Niels Pfläging und seine Kollegin Silke Hermann. Mittlerweile international die bekanntesten Beta-Kodex-Profis, haben diese Prinzipien mit einer anderen uns bekannten Technik, nämlich open space agility verschmolzen und weiterentwickelt. So das heute jeder #openspacebeta in Organisationen anwenden kann.

Daniel Mezick ist Erfinder des Konzepts Open Space Agility eine sichere, pragmatische und wiederholbare Technik für eine schnelle und dauerhafte Einführung agilen Arbeitens in Organisationen. Daniel ist der Vordenker der agilen Szene, man kann schon sagen ein Scrum-Urgestein. Er hat sich allerdings nicht nur allein mit agilen Methoden beschäftigt. Ist ja wirklich ein weites Feld. Er hat sich genau angeschaut wie Agilität durch konsequent selbstorganisierte Veränderungsprozesse entstehen kann. Auf den Punkt gebracht: Wie Agilität von selbst entsteht, ohne hohe Investitionen in Berater und Trainer. Daniel Mezicks großer Verdienst liegt darin, dass er sich fragte, wie Agilität mit Mitteln der Selbstorganisation hervorzubringen wäre.

Er entwickelte OpenSpace-Konferenzen zur systematischen Einbindung aller Veränderungswilligen in die Organisationsentwicklung.

Diese Open Space Konferenz hat nicht nur am Anfang des Change gestanden, sondern nach 90 Tagen gab es eine zweite Open Space Konferenz. In den 90 Tagen dazwischen wurde gemeinsam an den entwickelten Ideen weitergearbeitet. Das ist entscheidend, alle die Lust an Veränderungen haben, haben 90 Tage ausprobiert, was sie gemeinsam auf der Konferenz beschlossen haben. Haben in diesen 90 Tagen Entscheidungen geschärft, angepasst oder wieder verworfen.

 

So entstand eine Art „Zeitschiene“, also ein zeitlich strukturiertes Vorgehensmodell.

Außerdem ein Modell unterschiedlicher Rollen, die es braucht, um eine solche „Transformation in 90 Tagen“ zu ermöglichen. Das ist wichtig, wir kennen es alle. Keiner kümmert sich im Arbeitsalltag mehr aktiv um die gemeinsam getroffenen Vereinbarungen.

Diese Sozialtechnologie hat Daniel Mezick OpenSpace Agility bzw. Prime/OS genannt und mit einer Open-Source-Lizenz frei verfügbar gemacht. Auch darin, diese Innovation frei verfügbar zu machen, das ist einmalig und wirklich der Hammer – wir müssen keine Lizenzen bezahlen.

 

Sein Konzept ist dazu gedacht, innerhalb weniger Monate viele oder gar sehr viele „agile Teams“ hervorzubringen.

#openspacebeta dagegen ist dazu geeignet, ganze Organisationen, gleich welcher Größe, innerhalb von drei Monaten zu Beta-Organisationen zu machen. Es bedurfte einer deutlichen Weiterentwicklung durch Silke Hermann und Niels Pfläging von Daniels Modell, um das zu ermöglichen. Das Ergebnis ist #openspacebeta, dass ebenfalls durch eine Konzeptübersicht bzw. Zeitschiene visualisiert ist. Fertig ist #openspacebeta? Fast, es kommt noch eine wichtige Komponente dazu. Der Paukenschlag sozusagen.

 

Nun zu dem Teil, den wir wahrscheinlich alle schon mal gehört haben und warum uns #openspacebeta bestimmt bekannt vorkommt.

Es ist die OpenSpace Technologie, die von Harrison Owen in den 1980er Jahren entwickelt hat. Owen hat OpenSpace damals tatsächlich als Mittel der Organisationsentwicklung entwickelt. Unglaublich, oder? Wir kennen diese Methode heute als Konferenzmethode. Also weniger als direktes Mittel zur Organisationsentwicklung. Doch in Verbindung mit open space agility, dem Beta Kodex sowie die Weiterentwicklung der Zeitschiene sowie weiteren Stellschrauben, hat open space nun zur wahren Bestimmung zurückgefunden.

 

Manchmal dauert es halt etwas länger.

Beyond Budgeting, Daniel Mezicks OpenSpace Agility und Harrison Owen´s OpenSpace – das sind die drei ganz großen Einflüsse auf #openspacebeta.

Diese Gesichtspunkte sind keineswegs neu und fundieren natürlich auf viel früheren Erkenntnissen, die auf Fragen basieren wie: „Wie schauen wir auf Menschen?“ – mit der sich Douglas McGregor beschäftigte oder die Frage: „Was sind humane Arbeitsbedingungen?“ – auf diese Frage fand Mary Parker Follett bereits erkenntnisreiche Antworten. Oder: „Wie funktionieren soziale Systeme und Dynamiken?“ – gestellt von Kurt Lewin.

Neu ist die Verbindung dieser Erkenntnisse in #openspacebeta zu einer Sozialtechnologie, die jeder einsetzen kann.

Ohne Zugangsbeschränkung, denn #openspacebeta ist unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht. Das macht die Technik so sozial und schließt keinen aus.

Lust bekommen, #openspacebeta auszuprobieren? Ich empfehle zum besseren Verständnis das Buch #openspacebeta von Silke Hermann und Niels Pfläging.

Inspiriert wurde dieser Beitrag durch das Video von:
Komplexität für Fortgeschrittene – Niels Pfläging im Interview mit Andreas Ebenhöh

Sowie folgendem Interview erschienen im Online-Magazin von mittwochsonline
Julia Borggräfe im Gespräch mit Silke Hermann zum Thema #openspacebeta

#organisationsentwicklung #openspace #openspaceagility #primeOS #beyondbudgeting #moderation #zerimonienmeister

Dieser Beitrag beinhaltet Ideen vom #betacodex, einer Open-Source-Sozialtechnologie von Silke Hermann und Niels Pfläging (Red42), die unter der Lizenz CC-BY-SA-4.0 von Creative Commons veröffentlicht wurde. betacodex.org

Bildnachweis: Fotografin Heidi Abt, München